Einmal Vollrausch und zurück - Erfahrungsbericht Jonas Teil 1
In den folgenden Beiträgen wollen wir euch anhand von Erfahrungsberichten näherbringen, wieso Leute anfangen Drogen zu konsumieren. Was diese Leute während ihrer Zeit auf Drogen erlebt, aber auch durchgemacht haben und wie es einige wieder raus aus dem Drogensumpf in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben, könnt ihr in den Berichten lesen.
Alle Erfahrungsberichte, die ihr in unserer Reihe "Einmal Vollrausch und zurück" lesen könnt, stammen von Menschen aus dem Kreis-Siegen-Wittgenstein. Einzig die Namen und Orte wurden zum Schutz der Betroffenen geändert.
Hi Leute, ich bin Jonas und will euch erzählen, wie ich den Weg in die Sucht fand und wie sich mein Leben dadurch verändert hat.
Aber erstmal ein bisschen was zu mir: Ich bin 23 Jahre alt, wohne in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz. Dort hat sich bisher mein ganzes Leben abgespielt, bin nie wirklich rausgekommen. Aber ich fühle mich wohl dort, habe dort meine Freunde… Man kennt sich halt im Dorf, mag ich.
Aufgewachsen bin ich eigentlich in geregelten Verhältnissen. Meine Mutter war zwar alleinerziehend, aber ich hatte eine schöne Kindheit: viele Freunde, ein gemütliches Haus mit Garten und eine Katze. Mein Vater hat sich nie gekümmert, immerhin hat er Unterhalt bezahlt. Egal, scheiß auf den Typen – werde ich nur wütend, wenn ich daran denke.
Wieso habe ich also angefangen, Drogen zu nehmen? Ich habe keine Traumata und auch sonst ist nichts passiert, was rechtfertigen würde, dass ich mein Leben so gegen die Wand fahre. Und ja! Ich bin mir bewusst, dass ich mein Leben nicht im Griff habe … aber es ist mir, um ehrlich zu sein, egal. Ich bin einfach müde – vielleicht müde vom Gras, vielleicht aber auch einfach vom Leben … wobei das eigentlich keinen Sinn macht. So richtig gelebt habe ich noch nie. Bin noch nie wirklich verreist, hatte noch nie eine Freundin, feiern ist auch nicht so meins. Aber was mache ich so den ganzen Tag? Die letzten zehn Jahre habe ich jede freie Minute meines Lebens am PC zockend verbracht. Am liebsten irgendwelche Shooter, gelegentlich auch mal ein Rollenspiel, aber die meiste Zeit geballert … Mein ganzer Stolz? Mein Gaming-Setup – über 6000 Euro stecken darin. So gesehen muss ich also viel Zeit davor verbringen, damit es sich lohnt.
Vor vier Jahren habe ich angefangen zu kiffen. Erst nur mit ein paar Freunden, aber dann ganz schnell auch zu Hause allein beim Zocken. Eigentlich sollte man meinen, dass man stoned nicht so geil zocken kann. Aber mich hat das immer richtig gepusht – nüchtern war ich nie so gut wie stoned. Nachteil war, dass ich durch das Kiffen noch mehr meinen Alltag vernachlässigt habe. Ich habe mich dann auch oft krankschreiben lassen … einfach keinen Bock gehabt, arbeiten zu gehen, wollte lieber kiffen und zocken. Mein Hausarzt hat mir ohne Probleme ein Attest nach dem anderen ausgestellt. Irgendwann kam dann die Kündigung, aber egal – ab zum Jobcenter, Antrag gestellt und erstmal ein Jahr Arbeitslosengeld bekommen. Das war echt nice, konnte zocken wann und soviel ich wollte, ohne dass mir jemand auf die Nerven gegangen ist. Geld kam jeden Monat pünktlich vom Amt. Nach einem Jahr kam dann Hartz IV, musste mich zwar jetzt regelmäßig irgendwo bewerben, aber zum Glück wollte mich niemand. Lag wohl an dem Arbeitszeugnis von meinem Ausbildungsbetrieb…
Ah, wenn wir gerade dabei sind: Habe eine Ausbildung zum Zerspaner gemacht, hab es von Tag eins gehasst … wusste aber noch nie, was ich beruflich gerne machen möchte. Also irgendwie durchgezogen, dumm bin ich zum Glück nicht. Aber keine Ahnung, arbeiten törnt mich halt ab.
Fortsetzung folgt...