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Einmal Vollrausch und zurück - Erfahrungsbericht Jonas Teil 2

In den folgenden Beiträgen wollen wir euch anhand von Erfahrungsberichten näherbringen, wieso Leute anfangen Drogen zu konsumieren. Was diese Leute während ihrer Zeit auf Drogen erlebt, aber auch durchgemacht haben und wie es einige wieder raus aus dem Drogensumpf in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben, könnt ihr in den Berichten lesen.

Alle Erfahrungsberichte, die ihr in unserer Reihe "Einmal Vollrausch und zurück" lesen könnt, stammen von Menschen aus dem Kreis-Siegen-Wittgenstein. Einzig die Namen und Orte wurden zum Schutz der Betroffenen geändert.

Webtoon Jonas 2

Fortsetzung...

So nach zwei Jahren fing es dann an, dass es mir echt nicht mehr so gut ging. Immer schlechtere Konzentration, die meiste Zeit müde, ziemlich bescheuerte Gedanken – so in Richtung Selbstmord und so… keine Ahnung, wo das herkam. Aber war schon mies… Habe mir erstmal nichts dabei gedacht. Habe meinen Lifestyle fortgeführt … Zocken, Kiffen und Tiefkühlpizza.

Hatte dann irgendwann nochmal einen Termin bei meinem Hausarzt wegen der Corona-Impfung. Hatte es da dann mal angesprochen, dass es mir nicht so gut geht. Er meinte dann, dass ich Depressionen habe. So fühlen sich also Depressionen an – interessant…

Mein Doc verschrieb mir dann irgendwelche Pillen, halt so ein Antidepressivum. Aber ansonsten hat sich erstmal nichts an meinem Tagesablauf geändert...

Die Pillen, die mir mein Arzt verschrieben hat, haben anfangs eigentlich gar nicht so viel geändert. Ich hab sie genommen, wie er’s gesagt hat, aber ehrlich gesagt hab ich nicht wirklich auf eine Besserung gehofft. Ich mein, wie sollen so kleine Tabletten mein ganzes verkorkstes Leben reparieren? Hab mich einfach weiter durch meinen Alltag geschleppt: Zocken, Kiffen, Tiefkühlpizza. Der Dreiklang meines Lebens.

Nach ein paar Wochen ist mir dann aber aufgefallen, dass ich irgendwie weniger down war. Die düsteren Gedanken waren nicht komplett weg, aber sie haben mich nicht mehr so sehr runtergezogen. Klingt ja erstmal gut, oder? Problem war nur, dass ich dadurch auch wieder mehr Energie hatte. Und mit der Energie kamen auch die schlechten Entscheidungen.

Ein Kumpel von mir – nennen wir ihn mal Max – hatte damals angefangen, so richtig ins Feiern zu gehen. Er hat mich dann irgendwann mitgeschleppt, obwohl ich eigentlich gar keinen Bock hatte. War nicht mein Ding, aber ich dachte mir: „Okay, warum nicht? Vielleicht tut’s dir ja gut, mal unter Leute zu kommen.“

Tja, das war der Abend, an dem ich das erste Mal MDMA ausprobiert hab. Max hatte was dabei und er meinte, ich solle es einfach mal versuchen. „Das wird dir guttun, Bruder“, hat er gesagt. Ich war skeptisch, aber irgendwie hat er mich dann doch überredet. Und ich will nicht lügen: Es war krass. Diese Euphorie, dieses Gefühl, dass alles in meinem Leben plötzlich Sinn macht. Für ein paar Stunden war ich nicht mehr der Typ, der in seinem Zimmer versauert und nichts auf die Reihe bekommt. Ich war einfach… frei.

Aber wie das so ist, kommt nach jedem Höhenflug der Absturz. Am nächsten Tag fühlte ich mich wie vom Bus überfahren. Körperlich komplett im Eimer und im Kopf noch leerer als sonst. Trotzdem hab ich es nicht dabei belassen. Jedes Mal, wenn Max wieder gefragt hat, ob ich mitkomme, hab ich ja gesagt. Und jedes Mal hab ich mir eingeredet, dass es nur eine Ausnahme ist. „Nur noch einmal, dann ist Schluss.“ Spoiler: Es war nie Schluss.

Parallel dazu hab ich weiterhin gekifft. Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich ohne das Gras gar nicht mehr runterkomme. Schlafen ging nur noch stoned, der Alltag war unerträglich, wenn ich nüchtern war. Dann kamen die Nächte, in denen ich MDMA und Gras kombiniert hab – keine gute Idee, kann ich euch sagen. Mein Körper hat das irgendwann einfach nicht mehr mitgemacht.

Nach etwa einem Jahr ging dann gar nichts mehr. Mein Gaming-Setup, auf das ich früher so stolz war, hat mich nicht mehr interessiert. Ich saß nur noch davor, hab den Bildschirm angestarrt und wusste nicht mal mehr, was ich eigentlich spielen sollte. Max hatte inzwischen auch andere Sachen am Start: Kokain, Speed, irgendwas Chemisches. Er hat mich immer wieder gefragt, ob ich mal mitziehen will, aber das hab ich bis heute abgelehnt. Nicht, weil ich so diszipliniert bin, sondern weil ich Angst hab, dass ich da gar nicht mehr rauskomme.

Und jetzt sitz ich hier, mit 23, und frag mich, wie’s so weit kommen konnte. Ich will ehrlich mit euch sein: Ich weiß nicht, wie mein Leben weitergehen soll. Vielleicht raffe ich mich irgendwann auf, vielleicht auch nicht. Ich weiß nur, dass ich so nicht weitermachen kann.

Wenn ihr an dem Punkt seid, wo ich jetzt bin – oder vielleicht noch davor –, dann holt euch Hilfe. Wartet nicht, bis ihr so tief drinsteckt wie ich. Ich hab keine Ahnung, ob ich’s alleine da wieder raus schaffe. Aber vielleicht könnt ihrs noch verhindern.

Fortsetzung folgt...